
Ein paar Highlights aus 10 Jahren bei kreHtiv – Danke & Tschüssi!
10 Jahre lang war Christine Teil der kreHtiv Geschäftsstelle – sechs davon sogar als Geschäftsführerin und Head of des ganzen Teams! Zum Jahresende legt sie die Geschäftsführung nieder und verlässt kreHtiv mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für uns hat sie nochmal ein paar Highlights aus ihrer Zeit beim kreHtiv Netzwerk zusammengefasst:
Wenn man zehn Jahre an einem Ort verbringt, beginnt die Geschichte meistens in einem unscheinbaren Moment. Bei mir war es ein Vorstellungsgespräch in einem kleinen, fensterlosen Raum im Haus der Wirtschaftsförderung. Ich war 24 Jahre alt, etwas nervös, und hatte keine Ahnung, dass dieser Moment der Auftakt für ein ganzes Jahrzehnt voller Projekte, Begegnungen, Krisen, Glücksmomente und gemeinsamer Entwicklung sein würde.
2015 begann ich als Projektassistenz bei hannoverimpuls im Bereich Branchenentwicklung für Kreativwirtschaft & Multimedia. Ich kam aus dem Masterstudium, war neugierig und motiviert – und landete mitten in einer Szene, die Hannover damals schon geprägt hat und bis heute prägt.
Erste Schritte – zwischen Wasserschaden und Netzwerkmomenten
Eine meiner ersten Aufgaben war eine Delegationsreise nach Leipzig. Zwanzig kreative Menschen, ich als Reiseleitung, ein Hotel mit Wasserschaden – und die Erkenntnis, dass Navigationsapps manchmal die wahren Held*innen sind.
Damals fühlte ich mich kurzzeitig fehl am Platz, aber im Rückblick war diese Reise der Moment, in dem ich begriff, wie schnell aus Fremden ein Netzwerk wird. Und wie viel Freude in solchen Situationen steckt.
Und nebenbei: Eine Person hat dort sogar seine zukünftige Frau (wieder)getroffen. Wenn das mal kein nachhaltiges Vernetzungsergebnis ist.
Freaky Fashion Festival – und der Start von „Fashion born in Hannover“
Meine erste große Projektverantwortung war das Freaky Fashion Festival. Gemeinsam mit Antonia Bode , vielen Designer*innen, Studierenden und dem Team des MusikZentrums haben wir in wenigen Monaten ein fulminantes Modeevent zusammengestellt.
Die drei Festivaljahre waren prägend – und führten später zur Gründung des Hyperlabels „Fashion born in Hannover“, das bis heute als Netzwerk für Modeschaffende aktiv ist. Weniger Event, mehr Struktur: ein Schritt, der sich absolut bewährt hat.
Musik, Mittagstische & die ersten Förderprojekte
Parallel dazu wollte ich die Musikwirtschaft stärken. 2016 starteten wir „Musik in die Wirtschaft“ – eine Reihe monatlicher Lunchmeetings mit Expert*innen und Akteur*innen der Szene.
Für mich war das die perfekte Schule in Förderlogik, Projektabrechnung und communitynaher Arbeit. Und ein wunderbares Beispiel dafür, wie viel Energie entsteht, wenn Menschen aus verschiedenen Bereichen ins Gespräch kommen.
Tourbus-Abenteuer & europäische Partnerstädte
Mit der „Welcome H|O|ME“-Tour wurde es dann richtig abenteuerlich.
Zwei Wochen durch Europa, begleitet von einem Video-Team – und gefahren im VW-Bus meiner Mutter, weil sonst kein Fahrzeug verfügbar war.
Werkstattstopps, spontane Übernachtungen, Begegnungen in Partnerstädten: ein Projekt, das alle herausgefordert, aber auch unglaublich bereichert hat.
IdeenBoulevard & Zeltaufbau im Morgengrauen
Ein intensives Highlight war 2017 der IdeenBoulevard – eine komplette Großveranstaltung im Rahmen des Maschseefests, in nur zwei Monaten organisiert.
Mit runden Pagodenzelten, Workshops, Ausstellenden und einem Team, das bereit war, um 4:30 Uhr morgens den Aufbau zu begleiten.
Herausfordernd, lehrreich und einer dieser Momente, die man nie vergisst.
Vom Projektassistenz-Leben in die Geschäftsführung
2018 war für mich ein Übergangsjahr – freiberuflich, vielfältig, pendelnd zwischen Hannover und Berlin.
Als klar wurde, dass die Geschäftsführung neu besetzt werden sollte, wurde ich gefragt, ob ich mir die Rolle vorstellen könnte.
Mit 27 habe ich zugesagt – voller Energie, Ideen und dem Wunsch, kreHtiv als inspirierende, verlässliche und innovative Plattform zu stärken.
2019 arbeiteten wir intensiv an der strategischen Neuausrichtung – und kurz darauf kam die Pandemie. Statt geplanter Maßnahmen gab es plötzlich digitale Formate, Krisenmanagement, Maskenprojekte und viel Improvisation aus dem Home-Office.
Diese Monate haben uns als junges Team eng zusammengeschweißt.
Projekte, Kooperationen & Strukturarbeit
Die folgenden Jahre waren geprägt von:
- neuen Kooperationen,
- Förderanträgen und -abrechnungen,
- Studien und Machbarkeitsanalysen,
- der Stärkung unseres Modenetzwerks,
- Cross-Innovation-Ansätzen,
- Zahlreichen Umzügen in der HALLE96 – und dann an die Limmerstraße
- einem wachsenden Team.
Und gleichzeitig vom zähen Ringen um planbare Finanzierung.
Das kreHtiv-Dilemma – hoher Impact, aber nur kurzfristige Förderlogik – wurde über Jahre unser gemeinsamer Kampf.
2023 kam endlich der Durchbruch:
eine zweijährige Grundfinanzierung durch Stadt und Region Hannover für 2023/24 und ab 2025 vollständig getragen von Stadt und Region.
Ein Meilenstein, auf den ich besonders stolz bin – weil er kreHtiv endlich die Planungssicherheit gibt, die dieses Netzwerk verdient.
Noch ein Projekt-Highlight: Unser Filmprojekt LineUp
Ein Herzensprojekt, das die Kreativität Hannovers und unser verbindendes Wirken perfekt sichtbar macht, ist das interdisziplinäre Filmprojekt LineUp.
Gemeinsam mit der UNESCO City of Music Hannover haben wir uns an das Thema Gender Equality in der Musikwelt gemacht – und wer könnte dieses Thema besser erzählen als die Szene selbst?
Kreative und Musikschaffende aus Hannover entwickelten einen ambitionierten Kurzfilm, inklusive eigens komponierter Musik.
Und die Vision aus dem Film wurde in 2023 Realität: ein Festival für Gender Equality in der Musik (das Take*Space Festival).
Und jetzt? Ein neues Kapitel.
Zehn Jahre kreHtiv – das sind:
- unzählige Ideen,
- Pop-Up-Stores,
- Teamcalls und Workshops,
- Musik- und Modeprojekte,
- Krisenpläne und Höhenflüge,
- Begegnungen, die mich sehr geprägt haben.
Und das sind vor allem Menschen, mit denen ich unglaublich gern gearbeitet habe.
Nach zehn Jahren ist es jetzt Zeit für mich, Platz zu machen – für neue Perspektiven, neue Energie, neue Wege.
Die Geschäftsstelle arbeitet weiter mit einem großartigen Team, geführt von Lukas Dotzauer und Franziska Schoch.
Ich gehe mit Dankbarkeit, mit Wehmut und mit Vorfreude.
Und mit dem tiefen Vertrauen: Ihr schafft das – und kreHtiv wird weiter ein Ort für Ideen, Mut und Co-Organisation sein.
Danke für zehn Jahre, die mich begleitet, herausgefordert, geerdet und inspiriert haben.
Es war mir eine Ehre ❤️
















