Talkabout

Vielfalt, Diversität und Inklusion - VIELHEIT in Hannover

Vielheit – Was bedeutet das eigentlich, wie wird es in hannoverschen Organisationen gelebt und akzeptiert? Wie ist die Arbeit in einem vielfältigen Umfeld? Was sind die Herausforderungen und wie kann man diesen in Zukunft besser begegnen?

 

Diesen Fragen haben sich am Freitag unsere Geschäftsführerin Christine Preitauer, Sebastian Cunitz vom Cameo Kollektiv e.V. und Alexandra Faruga von der UNTER EINEM DACH gUG in unserem TALKABOUT zum Thema „Vielheit“ gestellt.

Was bedeutet Vielheit?

Diese Fragen durften unsere Gäst*innen zuerst beantworten. Vielheit ist für sie zum einen das Zusammenkommen von Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen, aus verschiedenen Generationen, mit unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen und mit diversen Professionen. 

Zum anderen geht es bei Vielheit aber auch darum, die unterschiedlichen Erfahrungen, Kenntnisse und Ideen in Innovationen umzusetzen und neue Ansichten, Herangehensweisen und Lösungen zu generieren. 

Wie wird Vielheit in Organisationen gelebt?

Sowohl bei UNTER EINEM DACH als auch beim Cameo Kollektiv sind Teammitglieder aus verschiedenen Nationen vertreten. Die Teams sind so gewachsen und Vielheit war von Beginn an gegeben. Auch beim kreHtiv Netzwerk wird viel Wert auf Vielheit gelegt. Partner*innen in Projekten und Veranstaltungen sind hier aus verschiedenen Hintergründen und Branchen vertreten und kommen für ebendiese Projekte zusammen. 

Wichtigstes Element beim Thema Vielheit? Kommunikation! Bei vielen verschiedenen Menschen, die zusammenkommen, kann nicht nur die Sprache eine Herausforderung darstellen. Auch eine zwischenmenschliche Übersetzungsleistung ist durchaus notwendig und sinnvoll. Dabei gibt es verschiedene Konzepte zur Umsetzung: UNTER EINEM DACH hat eine offene Kommunikationskultur etabliert. Probleme werden dabei offen kommuniziert und direkt angesprochen, um eine schnelle Lösung zu finden. Das Cameo Kollektiv nimmt sich in Meetings interne Übersetzungssysteme zur Hilfe, wie Fokuswächter oder Verständniswächter, die darauf achten, dass Agenden eingehalten werden und niemand den Faden verliert, weil er oder sie etwas nicht versteht. Das kreHtiv Netzwerk nutzt die vorhandenen Strukturen, um den Kreativen eine Stimme zu geben und ihre Bedürfnisse zu kommunizieren. Über die Einbindung in Projekte können die Mitglieder mitwirken und zeigen, wer die Kreativen sind und was sie brauchen. 

Welche Herausforderungen gibt es im Zusammenhang mit Vielheit?

Wie sich bereits gezeigt hat, können sprachliche Hürden eine Herausforderung darstellen. Ebenso können aber auch kulturelle Verschiedenheiten zu Kommunikations- und Verständnisschwierigkeiten führen. Neben diesen „offensichtlichen“ Herausforderungen können jedoch noch weitere auftreten. 

Bei Menschen mit Flucht-Hintergrund wird oft eine „Dankeshaltung“ eingenommen. Sie haben das Gefühl, stets dankbar dafür sein zu müssen, hier zu sein. Dadurch rücken Probleme in den Hintergrund und werden von den Betroffenen selbst nicht als wichtig genug wahrgenommen. Dieser Umstand ist auch herausfordernd, wenn man die häufig fehlende gesellschaftliche Akzeptanz bedenkt. Dies geht auch mit automatisch entstehenden Hierarchien einher: Unklare Zuständigkeiten führen zu Überforderung und zwingen Menschen immer wieder, sich unterzuordnen. Und auch die politischen Gegebenheiten machen es geflüchteten Menschen oft nicht leicht. So wird Menschen, die teils bereits mehrere Jahre in Deutschland leben, die Erlaubnis zur Arbeit und damit der Aufbau einer selbstbestimmten Zukunft verwehrt. 

Eine weitere Herausforderung ist auch die Umsetzung von Inklusion im Arbeitsalltag. Die Büros aller Speaker*innen sind zwar barrierefrei zugänglich, doch steht beispielsweise auf Webseiten oder Infomaterial keine leichte Sprache zur Verfügung. Und auch sind die meisten Texte auf Deutsch verfasst, was ebenfalls eine große Gruppe an Menschen ausschließt. 

Wie kann diesen Herausforderungen in Zukunft besser begegnet werden?

Bei der Frage, wie man den oben beschriebenen Herausforderungen besser begegnen kann, wurde eines ganz deutlich: Bildung und Reflexion sind unerlässlich!

Eine Selbstreflexion ist immer der Beginn eines Änderungsprozesses. Nur, wer um seine Schwachstellen weiß, ist in der Lage, daran zu arbeiten. So sollten auch Prozesse und Methoden gemeinsam reflektiert und erarbeitet werden, um eine Toolbox zu entwickeln, die mögliche Lösungsvorschläge und -verfahren beinhaltet und so auch beispielsweise der Politik überlassen werden kann. 

Daraus können sich beispielsweise auch Konzepte zur Bildung im Thema Vielheit ergeben. So sollte bereits die Allgemeinbildung der Schule mit sozialer und kultureller Bildung verknüpft werden. Es sollten Gelegenheiten geschaffen werden, die Vielheit erlebbar machen und Beispiele aufzeigen, in denen sie bereits gelebt wird. Vielheit muss wahrgenommen werden. 

Im Anschluss an die spannenden und inspirierenden Beiträge unser Gäst*innen gab es eine Diskussion. Teilnehmer*innen aus unterschiedlichsten Bereichen diskutieren über die Relevanz des Themas und schufen neue Ansätze für weitere Diskussionen. Und so schloss der TALKABOUT zum Thema Vielheit nicht nur mit spannenden Ansätzen, sondern auch mit offenen Fragen, die wir gern weiter mit dir und vielen weiteren Menschen diskutieren wollen. 

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