Digitalgipfel Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland

Am 27.11. veranstalteten wir gemeinsam mit dem Dachverband KREATIVE DEUTSCHLAND den Digitalgipfel Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland. Der Teaser zur Jahreskonferenz Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland, die im April / Mai 2021 stattfinden wird, stand ebenso wie die Hauptveranstaltung unter dem Titel „Kollaboration“. Damit konnten wir in diesem Jahr zumindest online einen Platz zum Austausch schaffen und erste Anstöße für unsere Konferenz im neuen Jahr geben.

Damit alle das gleiche Verständnis von Kollaboration haben, hat Autor und Migrationsforscher Dr. Mark Terkessidis uns seine Philosophie der Kollaboration erklärt. Er grenzt die Kollaboration ganz klar von den Konzepten der Partizipation und Kooperation ab. Beide seien durchaus berechtigte Herangehensweisen, um zusammenzuarbeiten. Kollaboration geht allerdings noch einen Schritt weiter: Der Ausgang der kollaborativen Zusammenarbeit ist stets offen, alle Teilnehmer*innen müssen gehört werden können und der nicht vorbestimmte Prozess des gemeinsamen Erarbeitens ist Bestandteil des Ziels. Dieser muss als Lernprozess auch in zukünftige Kollaborationsvorhaben eingehen. Wer den Vortrag verpasst hat, hat hier noch einmal die Möglichkeit sich ihn vollständig anzusehen: 

Drei Themen - drei mal Input

Inspiriert von diesem Input haben wir anschließend drei Schwerpunktthemen während des Gipfels behandelt, die zunächst durch Impulsvorträge von Gastspeaker*innen umrissen wurden. Begonnen wurde mit dem Thema Landesverband für die Kreativbranche. Sabine Gollner vom Bayerischen Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft und Christian Rost von KREATIVES SACHSEN haben von ihren Erfahrungen bei der Gründung ihrer jeweiligen Landesverbände berichtet. Schnell wurde klar, dass ein gemeinsames landesweites Auftreten der Branche ganz neue Möglichkeiten der Interessenvertretung bietet und ein Verband damit als echter Ansprechpartner für Entscheider*innen fungieren kann.  

Die Corona-Pandemie hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf die Durchführung unserer Konferenz gehabt, sondern sehr viel weitreichendere auf die ganze Branche selbst. Insbesondere die Soloselbstständigen, die einen vergleichsweise hohen Anteil der Creative Economies ausmachen, sind von der Krise direkt betroffen und haben existenzgefährdende Umsatzeinbußen. Die undurchsichtige Menge an Förderungs- und Unterstützungsmöglichkeiten hat Josephine Hage, stellvertretende Projektleitung von KREATIVES SACHEN und Sprecherin des PCI-Netzwerks, für uns ein wenig geordnet und gleichzeitig auf noch immer bestehende Schwierigkeiten und Missstände der einzelnen Programme hingewiesen.

Für den dritten Input konnten wir Gabriele Koch, Geschäftsführerin des Smart Bildungswerks, gewinnen, die neben einem Einblick in das komplizierte Sozialversicherungssystem gerade für (kreative) Freischaffende auch das genossenschaftliche Modell der Smart eG erklärt hat. Ihr Input sollte die Grundlage für eine spätere Diskussion über alternative Modelle der Sozialversicherung der Kreativbranche sein.

Die Diskussionen zu allen drei Themen fanden anschließend in Breakout-Sessions statt. Nach dem Input und der Erläuterung der Ausgangssituationen im Plenum ging es in diesen vor allem darum, Forderungen und Lösungsmöglichkeiten zu skizzieren, die den Problemlagen entgegenwirken sollen.

Intensive Breakout-Sessions

In der ersten Session sollten Empfehlungen und Hinweise zu Corona Hilfsprogrammen wie die Neustarthilfe formuliert werden, die auf die wahre Situation der Kreativschaffenden (bspw. der Veranstaltungsbranche und allen Akteur*innen, die mit ihr zusammenhängen) eingehen. Oftmals hatte man bei den bisher beschlossenen Programmen das Gefühl, dass die (Arbeits)Realität derer, um die es bei den Hilfen geht, den Entscheider*innen nicht bewusst ist. Nötig wäre unter anderem die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeit, die durch die Corona-Hilfen entsteht. Große Konzerne können, ohne große Ausgaben zu haben, ihren Umsatz aus dem letzten Jahr angeben und so Gewinn machen. Soloselbstständige dagegen bekommen nur einen Bruchteil des Geldes und fallen oft sogar komplett durch das Förderraster, weil sie bspw. hybride Erwerbstätige sind. Mögliche Förderungen wären neben einem Unternehmerlohn für die Selbstständigen auch die Idee, das Kurzarbeitergeld für Soloselbstständige zu erweitern.

Um die Frage nach alternativen Modellen eines Sozialversicherungssystems für Freiberufler*innen, drehte sich Session Nr. 2. Die Probleme, die mit der Freiberuflichkeit auftreten, wie das geringe Verständnis für selbstständige Arbeitsmodelle oder große Einkommensschwankungen zwischen verschiedenen Monaten, machen nachhaltige Sozialversicherungsansätze schwierig. Auch die Künstlersozialkasse hat ihre Stolpersteine und nimmt nicht alle Freiberufler*innen der Branche ohne weiteres auf. Ideen für eine Verbesserung der Situation wäre die KSK auszuweiten und der Arbeitsrealität vieler Freischaffender anzupassen oder auch ein Grundeinkommen, das für alle die bedürftig sind zur Verfügung steht.

In der dritten Session trafen sich verschiedenste Akteur*innen der Kreativ- und Kulturszene, um über die Gründung eines Landesverbands für die Branche nachzudenken. Ziel war es, insbesondere auf der Grundlage des Vortrags vom Vormittag ein Interessensbild abzufragen, wie groß der Bedarf nach einem solchen Verband ist. Schnell wurde deutlich, dass alle Teilnehmenden generelles Interesse an einer Gründung hätten, allerdings muss dieser bestimmten Ideen entsprechen und bestimmte Kriterien erfüllen. So müssten anhand eines klaren Konzepts Strukturen geschaffen werden, die es ermöglichen schnell handlungsfähig zu werden, um sich als kompetenter Ansprechpartner zu positionieren. Außerdem müsse auch der ländliche Raum unseres Flächenlandes explizit im Blick behalten und angesprochen werden. Die Teilnehmenden waren sich aber bereits einig, Beschlossen wurde aber bereits, dass die Gespräche weiterlaufen sollen und der Prozess angeschoben wird. Es sollen weitere Akteur*innen aus den verschiedenen Orten in Niedersachsen dazu geholt werden und ein Handlungspapier bzw. Positionspapier verfasst werden. Ein nächster Termin ist bereits für den Januar angesetzt. Wer bei diesem Termin gerne dabei sein würde, kann sich gerne unter info@noSpamkrehtiv.de bei uns melden.

Insgesamt war der Tag ein voller Erfolg, viele tolle Diskussionen und Gespräche haben auch in dem digitalen Format anschlussfähige Ergebnisse gebracht. Wir danken neben den ganzen Speaker*innen und Teilnehmenden auch hannoverimpuls für die freundliche Unterstützung. Wir freuen uns jetzt schon auf ein physisches Treffen im nächsten Jahr, bei dem diese Themen noch weiter vertieft werden können.

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